Verbindungsforschung
Selank: Forschungsüberblick
Selank ist ein synthetisches Heptapeptid (Thr-Lys-Pro-Arg-Pro-Gly-Pro), das am Institut für Molekulargenetik der Russischen Akademie der Wissenschaften als Analogon des körpereigenen Peptids Tuftsin entworfen wurde. Es wurde, überwiegend von russischen Arbeitsgruppen, auf seine Wechselwirkung mit der Signalübertragung über GABA-Rezeptoren, seine Hemmung enkephalinabbauender Enzyme und seine Wirkungen auf die Genexpression untersucht, und zwar in In-vitro-Tests, in Nagetiermodellen und in klinischen Arbeiten in Russland.1–5
Wirkmechanismus im Überblick
- GABA-Rezeptoren (allosterische Modulation)In Radioliganden-Tests an Hirnmembranen wurde berichtet, dass es als positiver allosterischer Modulator der [3H]GABA-Bindung wirkt. Die Autoren schlugen dies als mögliche Grundlage seiner Aktivität vor.1, 2
- Enkephalinabbauende EnzymeHemmte in vitro den enzymatischen Abbau von Enkephalin im Plasma. Die Studienautoren schlugen dies als möglichen Mechanismus vor.3
- Genexpression der NeurotransmissionVeränderte im frontalen Kortex der Ratte die Expression von Genen, die an der GABAergen und anderen Formen der Neurotransmission beteiligt sind.1
- Diazepam und andere BenzodiazepineGemeinsame Effekte wurden in [3H]GABA-Bindungstests und in einem Rattenmodell des chronischen milden Stresses untersucht.2, 4
Die zitierten Autoren stellen die Modulation von GABA-Rezeptoren und die Hemmung der Enkephalinase jeweils als möglichen Mechanismus dar. Diese Studien beschreiben nicht, wie die beiden Signalwege zusammenhängen.1–3
Was es ist
Selank ist ein synthetisches Peptid aus sieben Aminosäuren. Es beruht auf Tuftsin, dem kurzen Fragment Thr-Lys-Pro-Arg der schweren Kette des humanen Immunglobulins G, das am C-Terminus um eine Pro-Gly-Pro-Sequenz verlängert ist. Entworfen und hergestellt wurde es am Institut für Molekulargenetik der Russischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit dem W. W. Sakussow-Forschungsinstitut für Pharmakologie. Eine US-amerikanische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 ordnete es anderen Substanzen zu, denen GABAerge Mechanismen zugeschrieben werden.1, 6
Wie es wirkt
In der Literatur werden vor allem zwei Mechanismen vorgeschlagen: eine Modulation der Signalübertragung über GABA-Rezeptoren und eine Hemmung der Enzyme, die Enkephaline abbauen. Zudem wurden Wirkungen auf die Genexpression untersucht.1–3
GABAerge Signalübertragung
In Radioliganden-Bindungsstudien an Zellmembranen aus dem Gehirn wurde berichtet, dass Selank als positiver allosterischer Modulator der [3H]GABA-Bindung wirkt. Sein gemeinsamer Effekt mit einigen Benzodiazepinen auf die GABA-Bindung wurde als nicht additiv beschrieben. Zudem wurde berichtet, dass Selank die modulierende Aktivität von Diazepam und Olanzapin blockiert. Die Autoren vermuteten, dass seine Bindungsstelle nicht dieselbe ist wie deren Bindungsstelle, sich mit ihr aber teilweise überschneiden könnte.2
Enkephalinabbauende Enzyme
In vitro hemmte Selank den enzymatischen Abbau von Enkephalin im Plasma. In diesem Test wurde es als potenter beschrieben als die Peptidase-Inhibitoren Bacitracin und Puromycin. Die Autoren schlugen die Hemmung der Enkephalinase als möglichen Mechanismus seiner Aktivität vor.3
Genexpression
Bei Ratten ergab eine Real-Time-PCR-Analyse eines Panels von 84 neurotransmissionsbezogenen Genen im frontalen Kortex Expressionsveränderungen zu zwei Zeitpunkten nach Einwirkung von Selank oder GABA. Zum früheren Zeitpunkt korrelierte das Muster der Veränderungen positiv mit dem nach GABA beobachteten Muster. Die Autoren brachten diese Befunde mit einer möglichen allosterischen Modulation des GABAergen Systems in Verbindung.1
Forschungsstand
Die meisten der hier zitierten Studien stammen von russischen Arbeitsgruppen. Die Evidenz umfasst In-vitro-Tests, Studien an Nagetieren und in russischer Sprache veröffentlichte klinische Arbeiten.1–5
Tiermodelle
Bei Ratten wurde Selank allein und zusammen mit Diazepam im Elevated Plus Maze untersucht, sowohl mit als auch ohne unvorhersehbaren chronischen milden Stress.4
Studien am Menschen
Eine klinische Studie in Russland, die in PubMed als randomisierte kontrollierte Studie geführt wird, verglich Selank mit Medazepam bei Patientinnen und Patienten mit generalisierter Angststörung und Neurasthenie. Sie untersuchte psychometrische Beurteilungsskalen und die Halbwertszeit von Leu-Enkephalin im Serum.5
Übersichtsarbeit aus den Vereinigten Staaten
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 im Journal of Clinical Pharmacology, verfasst von Autoren in den Vereinigten Staaten, beschrieb Selank als ein nur unzureichend untersuchtes russisches Arzneimittel.6
Veröffentlichte Forschung im Überblick
- In vitro
Hemmung enkephalinabbauender Enzyme im Plasma
- In vitro
Allosterische Modulation der [3H]GABA-Bindung in Hirnmembranpräparationen, allein und zusammen mit Benzodiazepinen
- Tiermodell
Expression neurotransmissionsbezogener Gene im frontalen Kortex der Ratte, im Vergleich zu GABA
- Tiermodell
Angstbezogenes Verhalten im Elevated Plus Maze unter unvorhersehbarem chronischem mildem Stress, allein und zusammen mit Diazepam
- Klinische Studie
Vergleich mit Medazepam bei generalisierter Angststörung und Neurasthenie anhand von Beurteilungsskalen und Enkephalin-Messwerten im Serum
- Übersichtsarbeit
Auf GABA-Rezeptoren wirkende Sedativa und Hypnotika, darunter Selank, und ihre Verfügbarkeit für Verbraucher in den USA
Forschungsstand: Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 im Journal of Clinical Pharmacology hielt fest, dass Selank in den USA als Nahrungsergänzungsmittel an Verbraucher verkauft wurde.6
Technische Daten
- Summenformel
- C33H57N11O9
- Molekülmasse
- 751 Da
- CAS-Nummer
- 129954-34-3
Quellen
- Volkova A, Shadrina M, Kolomin T, et al. Selank Administration Affects the Expression of Some Genes Involved in GABAergic Neurotransmission. Frontiers in Pharmacology (2016). doi:10.3389/fphar.2016.00031
- Vyunova TV, Andreeva L, Shevchenko K, Myasoedov N. Peptide-based Anxiolytics: The Molecular Aspects of Heptapeptide Selank Biological Activity. Protein and Peptide Letters (2018). doi:10.2174/0929866525666180925144642
- Zozulya AA, Kost NV, Yu Sokolov O, et al. The inhibitory effect of Selank on enkephalin-degrading enzymes as a possible mechanism of its anxiolytic activity. Bulletin of Experimental Biology and Medicine (2001). doi:10.1023/a:1017979514274
- Kasian A, Kolomin T, Andreeva L, et al. Peptide Selank Enhances the Effect of Diazepam in Reducing Anxiety in Unpredictable Chronic Mild Stress Conditions in Rats. Behavioural Neurology (2017). doi:10.1155/2017/5091027
- Zozulia AA, Neznamov GG, Siuniakov TS, et al. Efficacy and possible mechanisms of action of a new peptide anxiolytic selank in the therapy of generalized anxiety disorders and neurasthenia [Article in Russian]. Zhurnal Nevrologii i Psikhiatrii imeni S.S. Korsakova (2008). PubMed 18454096
- Doyno CR, White CM. Sedative-Hypnotic Agents That Impact Gamma-Aminobutyric Acid Receptors: Focus on Flunitrazepam, Gamma-Hydroxybutyric Acid, Phenibut, and Selank. Journal of Clinical Pharmacology (2021). doi:10.1002/jcph.1922
Literaturzusammenfassung erstellt am 15. Oktober 2026.




